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Defekte Folienkondensatoren hinterlassen oft ihre (meist schwarzen) Spuren auf dem Gehäuseboden, weil sie so viel
Wärme abgegeben haben, dass ihre Vergussmasse aufgeweicht wurde und herabgetropft ist.
Auch defekte Elkos entdeckt man häufig durch Augenschein, weil sie, ebenfalls durch übermäßige Erhitzung,
Chemikalien abgegeben haben. Meist ist das Ergebnis ein weißer, salzartiger Belag, der sich an und um die
Austrittsstellen bildet und der auch die Umgebung zersetzen kann, besonders, wenn es sich dabei um hauchdünne
Leiterbahnen einer gedruckten Schaltung handelt.
Ein simpler Spannungsprüfer kann wertvolle Informationen liefern, z.B. ob ein Chassis unter Spannung steht oder
nicht. Selbst bei Wechselstromgeräten, deren Chassis theoretisch vom Netz getrennt ist, kann dies vorkommen,
etwa bei Kurzschlüssen im Netztrafo oder in Entstörkondensatoren. Außerdem ist es möglich, dass der Netztrafo
von vorne herein als sogenannter "Spartrafo" geschaltet ist, bei dem ein Pol der Netzzuleitung mit dem
Chassis verbunden ist. Je nach Stellung des Steckers kann also auch hier die volle Netzspannung am Chassis
liegen, wie in dem folgenden Beispiel, einer Philips "Sagitta 363".
Bei Koffergeräten, aber auch manchmal bei Röhrengeräten, mit gedruckter Schaltung kann es vorkommen,
dass die Platine gebrochen ist oder eine bzw. mehrere Leiterbahnen eine Unterbrechung aufweisen.
Eine gebrochene Platine ist relativ leicht festzustellen, besonders wenn der abgebrochene Teil seitlich
herabhängt, etwa noch mit den Beinchen von Transistoren usw. an dem Rest der Platine hängend.
Schwieriger wird es dagegen bei Leiterbahnunterbrechungen, wenn sie nicht gerade durch die
zerstörerische Wirkung von ausgelaufenen Akkus, Elkos oder Batterien hervorgerufen worden sind.
(Typisches Beispiel sind die "Tourings", die mit einem Stabilisationsakku ausgerüstet waren.
Siehe dazu die Anmerkungen auf Walter Mohls Website
"Nostalgische Radios").
Halten sich die Leiterbahnunterbrechungen noch in überschaubaren Grenzen, so kann man sie durch
genaues Untersuchen (Lupe) rekonstruieren und sie mit Brücken aus Litze oder versilbertem Draht
reparieren. In komplizierteren Fällen wird man nicht ohne umfangreichere Service-Unterlagen des
betreffenden Gerätes auskommen. (Siehe Bezugsquellen!)
Ganz feine Haarrisse lassen sich selbst
bei ziemlicher Vergrößerung nur schwer feststellen. Manchmal hilft es aber, die Platine aus
verschiedenen Blickwinkeln zu untersuchen.
Beim Auseinandernehmen eines Gerätes sollte man sich nicht nur aus den bereits genannten Gründen
Zeit nehmen, auch wenn es oft schwerfällt. Es kann durchaus sein, dass irgendwo abgebrochene Teile
herumfliegen, die man später dringend benötigt.
Wenn man z.B. aus lauter Ungeduld an dem Knopf für die Sendereinstellung herumdreht, obwohl sich ein
unnormaler Widerstand bemerkbar macht, so ist oft die Folge, dass das Skalenseil reißt. Dann ist ein
wenig Suchen und etwas räumliches Denken angesagt, um Länge und Verlauf des Skalenseils zu
rekonstruieren. Aber auch bei neuerworbenen alten Radios hat man oft das Glück, wenigstens
die Bruchstücke des Skalenseils zu finden. Jedenfalls gilt: Vor weiteren Aktionen alle losen Teile
bewahren, die zum Gerät gehören könnten! (Nebenbei gesagt: Was man darüber hinaus in machen Gehäusen
findet ist oft ebenso interessant: Eine 5-Pfennig-Münze aus der Kaiserzeit, eine vollständige Packung
Stumpen aus den fünfziger Jahren, Werbefiguren u.a.) Es lohnt sich also in jedem Fall, die Augen
offenzuhalten und nichts voreilig wegzuschmeißen.
Manchmal ist festzustellen, dass der Skalenzeiger sich gut bewegen lässt, dass er aber in die falsche
Richtung läuft, weil das Skalenseil bei einer früheren Reparatur falsch aufgelegt wurde.
Bei kapazitiver Abstimmung z.B. muss sich der Zeiger auf die Sender mit den größten Wellenlängen
zugbewegen, wenn der Drehko eingedreht wird. Das sind bei Mittelwelle die Sender Budapest und
Beromünster. Wichtig ist es auch, nachzuschauen, ob der Sender (oder die Frequenz), die der
Zahlenzeiger angibt, tatsächlich stimmen. Befindet sich der Zeiger beim Abstimmen jeweils um etwa den
gleichen Betrag links oder rechts von der Stelle, auf der er eigentlich stehen sollte, so ist
höchstwahrscheinlich bloß der Zeiger auf dem Skalenseil verrutscht. Möglich ist jedoch auch, dass sich
ein Skalenrad auf seiner Achse gelockert hat. Wenn jedoch der Betrag, den der Zeiger "danebenliegt"
nicht in allen Bereichen der Skala gleich ist. kann man davon ausgehen, dass dies keine mechanische
Ursache hat, sondern mit Fehlern im Oszillator zusammenhängen.
Defekte Widerstände, besonders solche, die aus speziellem Draht gewickelt waren, kann man leicht
erkennen, und wenn man Glück hat, kann der Wert des Widerstandes rekonstruiert werden, wenn
genügend Bruchstücke des Widerstandsdrahtes und des Wickelkörpers noch vorhanden sind. Dazu schätzt
man die einmal vorhandene Zahl der Windungen ab und ermittelt den spezifischen Widerstand des Drahtes
durch entsprechende Längen- und Widerstandsmessungen. Für die Berechnung des gesamten Widerstandes
braucht man dann noch den Umfang des Widerstandskörpers. Ob es sich nun aber um durchgebrannte Drahtwiderstände
oder um verbrannte Kohlewiderstände handelt: In den meisten Fällen wird es nicht ausreichen, einfach nur
den jeweiligen Widerstand zu ersetzen. Denn die Überlastung, die ihn das Leben kostete, hat ihre Ursache
woanders, etwa in einem Kurzschluss. In den überaus meisten Fällen ist dies wiederum ein defekter Kondensator.
Dieselbe Feststellung gilt auch für verbrannte Netz- und Tontransformatoren.
Zu den Kontrollen, die unbedingt vor dem ersten Einschalten zur Routine werden müssen, gehört auch,
sich anzuschauen, welche Spannung gewählt wurde, ob die Sicherung in Ordnung ist und ob sie richtig
bemessen ist. Wenn sie geflickt wurde oder zu "großzügig" bemessen wurde, kann man darauf schließen,
dass das Gerät zu viel Strom gezogen hat. Es besteht also die Gefahr, dass dadurch Netztrafo oder
Gleichrichter beschädigt wurden. Außerdem ist zu checken, ob der Spannungswert stimmt.
Manchen Kontakten sieht man es regelrecht an, dass sie ihre Funktion nicht erfüllen können.
Entweder müssen sie nachgebogen oder gesäubert werden, falls sie nicht geradezu abgebrochen sind.
Selbst hochwertige Kontakte aus Gold oder Silber können nicht funktionieren, wenn sie eine schwarze
Oxidationsschicht aufweisen. Diese ist übrigens nicht immer mit Kontaktspray wegzubekommen.
Glühende Elektroden bedeuten bei Röhren nichts Gutes, denn sie weisen auf eine Überlastung hin.
Wenn z.B. bei einer Endröhre das Schirmgitter (d.h. die zweite Elektrode von außen) zu glühen beginnt,
kann man ziemlich sicher sein, dass dies folgende Ursache hat: Die Anode bekommt keine oder eine
(viel) zu niedrige Spannung. Ob dies nun von einer Unterbrechung im Ausgangsübertrager herrührt
oder von einem Kurzschluss im Anodenkreis- das müssen nähere Untersuchungen ergeben. Auf jeden Fall
ist es nicht ratsam, der Röhre längere Zeit eine solche Überlastung zuzumuten. Wenn die Endröhre
regelrecht "rote Backen" bekommt, d.h. wenn die Anodenbleche glühen, ist daran garantiert
eine Verschiebung des Arbeitspunktes im Spiele.Bei Gleichrichterröhren mit diesem Effekt ist
natürlich zu vermuten, dass der Gesamt-Gleichstrom zu hoch liegt, etwa wegen defekter Sieb- oder
Ladekondensatoren oder wegen Röhren, die mit falschem Arbeitspunkt arbeiten.
Es ist leider recht selten, dass man Röhrendefekte sehen kann. Solche Ausnahmen sind: Milchig-weiße,
pulvrige Beläge an der Innenseite des Glaskörpers deuten darauf hin, dass die Röhre nicht mehr dicht
ist. Bei genauerem Hinsehen entdeckt man dann auch einen mehr oder weniger großen Haarriss oder gar
größere Beschädigungen des Glases. Silbrig-glänzende Beläge (z.B. bei den Europaröhren) dagegen
sagen nichts Negatives über die Qualität der Röhre aus.
Oft genügt es, ein eingeschaltetes Gerät gründlich zu beobachten, um herauszufinden, welche
Röhrenheizungen noch funktionieren. Aber nur bei Geräten, deren Heizfäden parallel geschaltet sind
(also bei den meisten Wechselstromgeräten) wird eine solche Beobachtung eventuell zur Ermittlung
einer defekten Röhre führen. Schwieriger wird es bei Allströmern, bei denen die Heizfäden ganz oder
teilweise hintereinander geschaltet sind und bei denen auch mehrere Heizkreise vorhanden sein können.
Bei Batterie-Röhrengeräten ist es besonders schwierig, Heizfadenbrüche durch bloßes Beobachten des
eingeschalteten Gerätes zu ermitteln. Das gelingt sogar kaum bei vollkommen abgedunkeltem Zimmer.
Hier führen Widerstandsmessungen oft eher zum Ziel.
Unbedingt ratsam ist es, bei "neuen" Geräten zu checken, ob Röhren fehlen oder ob die Röhrenbestückung
richtig ist. Es schadet einem Gerät z.B. nicht, wenn jemand aus Versehen oder gar mit Absicht
eine ECH 4 gegen eine ECH 3 ausgetauscht hat. Die Röhrenheizung ist zu sehen, jedoch funktioniert
das Gerät wegen der anderen Belegung der Kontakte nicht.
Manchmal fehlen die Befestigungsbügel für die Röhren (siehe unter "Ohren"). Ob es einmal solche
gegeben hat, erkennt man an zwei verwaisten Befestigungen (Lötösen oder dergl.) links und rechts von
der Röhre. Zur Verminderung der Mikrophonie bzw. zur Abschirmung erhalten manche Röhren einen
Abschirmbecher, der unterschiedlich befestigt sein kann (geschraubt, gesteckt oder mit Bajonett).
Ob dieser fehlt, erkannt man an einem entsprechenden Kragen um die Röhrenfassung.
Manche Geräte, besonders die der gehobenen Preisklassen, verfügten über Zubehör, wie Nachhall
oder Kabelfernbedienungen. Wenn diese nicht benutzt wurden, mussten die entsprechenden Anschlüsse
überbrückt werden, wie z.B. die Nachhalleinrichtung des Nordmende "Tannhäuser 8004". Wenn solche
Spitzengeräte absolut schweigen, obwohl alle Betriebsspannungen normal sind, so ist es empfehlenswert,
nach solchen Buchsen Ausschau zu halten, wobei die Beschriftung der Rückwand oder das Schaltbild
gute Dienste leisten.
Bei dem nachfolgenden Beispiel (Loewe-Opta Globus) läuft ohne die Fernbedienung oder den entsprechenden Adapter
überhaupt nichts, noch nicht einmal die Skalenbeleuchtung!
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| Der Adapter fehlt, das Gerät bekommt nicht einmal Strom. |
Der Adapter ist eingesteckt. Das Gerät spielt. |
Alte Geräte enthalten viel Staub, der uns auch sehr nützlich sein kann. Er hilft, die Lage
verrutschter Bauteile zu rekonstruieren, z.B. die von Spulen auf Ferritstäben. Auch Schrauben,
Muttern, Abschirmungen, Spulenkerne und Lötverbindungen, die bei früheren Reparaturversuchen
vergessen wurden, lassen sich manchmal lokalisieren. Vorraussetzung ist allerdings, dass man die
Staubschichten nicht allzu voreilig beseitigt.
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