Mit den Fingern

 
lässt sich testen,
 

ob ein Netztrafo, ein Elko, eine Feldspule oder ein Ausgangsübertrager zu heiß wird oder ob die Erwärmung im erlaubten Rahmen bleibt (Handwärme oder wenig darüber.) Aber Vorsicht ist geboten: Das Chassis darf dabei nicht unter Spannung stehen. Das kann sogar bei einem Wechselstromgerät mit sog. "Spartransformator" der Fall sein. Auf der sicheren Seite ist man, wenn man das Gerät nach nicht zu langer Zeit vom Netz trennt und dann die "Fingerprobe" an den o.a. kritischen Teilen macht.

Viele älteren Röhren haben einen Gitteranschluss an der Oberseite (z.B. AF 7, EF 3, EBL 1 etc.). Bei solchen Röhren kann man die Finger als "Signalinjektor" benutzen und erste Anhaltspunkte über den Zustand der betreffenden Schaltungsstufe gewinnen. Jedoch auch hier ist Vorsicht geboten: Dieser Hinweis gilt nur für Röhren mit einer aufsteckbaren Kappe. Bei Röhren mit einem Schraubanschluss (z.B. Röhren des Typs "RENS... " ist der äußere Anschluss meist die Anode, und da sollte man besser mit den Fingern davonbleiben.

Um überschlägig abzuschätzen, wie gut der NF-Teil arbeitet, beziehungsweise ob er überhaupt noch funktioniert, dreht man den Lautstärkeregler auf und berührt die Tonabnehmerbuchse mit dem Zeigefinger. Dazu muss natürlich der Wellenschalter auf "TA" bzw. "P.U." (= Pick-Up) bzw. "Phono" oder "Plattenspieler" stehen. Falls die Buchse nicht ohne weiteres zugänglich ist, wird man einen dünnen Gegenstand (Stückchen Schaltdraht, Schraubenzieher oder ähnliches) in die Hand nehmen müssen. Mit einiger Routine kann man an der Lautstärke des Brumms erkennen, ob die Verstärkung der Schaltung entspricht. Aussagen über die Qualität der Verstärkung (Klirrfaktor, Verzerrungen) lassen sich mit dieser Methode jedoch kaum machen. Dafür empfiehlt es sich, eine Tonquelle (Plattenspieler, HF-Teil oder Tonband) anzuschließen. Aber Achtung! Besonders bei älteren Geräten kann man sehr leicht die TA- Buchse mit den Lautsprecheranschlüssen verwechseln, und diese können die volle Anodenspannung führen!

Zum Schluss ist aber nochmals eine eindringliche Mahnung angebracht: Die Finger als "Testgeräte" sollte man nicht überstrapazieren. Ich möchte das an einem Beispiel deutlich machen: Bei einem Röhrengerät stellte ich einen sehr starken Brumm fest. Die Diagnose schien klar zu sein: Sieb- und/oder Ladeelko defekt. Um die Probe aufs Exempel zu machen, ließ ich das Gerät einige Zeit laufen, trennte es vom Netz und fasste dann mit den Fingern an den Elko, um seine Erwärmung zu testen (s.o.!). Ergebnis: Ein starker Stromschlag. Der Grund dafür stellte sich sehr bald heraus: Der Becher, also der negative Pol des Elkos, hatte überhaupt keine Verbindung mehr zum Chassis! Die Befestigungsschraube hatte sich im Laufe der Zeit gelöst und die Befestigungsfläche war zusätzlich oxidiert. Die volle Anodenspannung lag also kapazitiv an der Außenhaut des Elkos.